Ende letzten Jahres habe ich zeitweilig eine neue Form des Büros ausprobiert, die man für vereinsamte Selbständige erfunden hat. Ich mietete mich probeweise in einem der vielen „Coworking Spaces“ in Berlin ein. Das sind moderne Großraumbüros, in denen der digitale Einzelkämpfer seinen Job bei Bedarf in Gesellschaft unter Seinesgleichen ausüben kann. Ich entschied mich eher zufällig für „mobilesuite“ im Prenzlauer Berg. Das Büro ist in einem soliden Sandsteinbau untergebracht, umgeben von Cafés, Restaurants und Szeneläden. Nicht die schlechteste Lage. In den Pausen zog ich oft staunend durch die Straßen und stöberte in Geschäften, bei denen ich mich immer wieder fragte, wie sie es wohl schaffen, sich mit ihren irren Spezialisierungen auf Dauer zu halten. Das Innere von mobilesuite ist ein einziger sehr großer offener Raum im Erdgeschoß, welcher allerdings in unterschiedliche Zonen unterteilt ist. Da gibt es Fensterplätze auf Hochstühlen wie im Café, Bänke im Pavillon, die an Zugabteile erinnern, oder schwere Ledersessel, wie in einem englischen Club. Überall sitzen Leute, die über ihre Notebooks gebeugt sind oder an ihren Kaffeetassen schlürfen. Letzteres insbesondere dann, wenn sie die Kaffee-Flatrate mitgebucht haben. Nun wäre es natürlich fatal, wenn all diese Menschen ständig telefonieren würden. Die Kakophonie wäre der Kreativität sehr abträglich. Deshalb gibt es bei mobilesuite tatsächlich Telefonzellen. Ja sie lebt noch, die gute alte Telefonzelle, wenn auch in leicht veränderter Form. Nicht, dass sie anders aussehe. Nein, es ist ihr Inneres, das sich gewandelt hat. Sie enthält keinen Münzfernsprecher mehr. Betritt man sie, findet man nur einen Stuhl vor, auf dem man Platz nehmen kann, um dann ungestört mit dem eigenen Handy telefonieren zu können. Kein Fremder lauscht ungewollt der vertraulichen Unterhaltung, kein Dritter wird durch sie genervt. Welch geniale Wiederkehr einer tot geglaubten Einrichtung. Möge sie weite Verbreitung finden!
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* Für die Jüngeren unter meinen Lesern:
Wiederkehr = (alt)deutsch für Comeback ;-)
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Das lange Sterben des Telefonbuches
1881 erschien in Berlin das erste „Verzeichniss der bei der Fernsprecheinrichtung Betheiligten“ mit 185 Einträgen. Im Berliner Volksmund wurde das erste Telefonbuch Deutschlands auch „Buch der 99 Narren“ genannt, weil dem Mann auf der Straße die ersten deutschen Teilnehmer leid taten, die auf diesen „Schwindel aus Amerika“ hereingefallen waren. Durch seine Auslieferung als "Amtliches Fernsprechbuch" an alle Fernsprechteilnehmer erreichte es in den 70er Jahren eine massenhafte Verbreitung in deutschen Haushalten. Inhaber eines Telefonanschlusses erhielten bei Neuerscheinen eine Benachrichtigungskarte. Mit dieser ging man zu einer Ausgabestelle, wo man die Karte gegen die neue Ausgabe des Telefonbuches eintauschte. In Berlin war das immer recht mühsam, da das Paket aus Telefonbuch und Gelben Seiten hier in den 90er Jahren aus fünf dicken Bänden bestand. Irgendwann gab es dann eine CD-ROM zur gedruckten Ausgabe dazu, auf der all diese Angaben enthalten waren. Aber zunächst war man mit dem gewohnten Blättern im Buch oft noch schneller. Die Entwicklung einer anwendungsfreundlichen Suchfunktion brauchte ihre Zeit. Irgendwann war sie aber geschaffen und ich benutzte nur noch die elektronische Suche am PC. Als es die Möglichkeit gab, nur die CD allein mitzunehmen, ließ ich das gedruckte Telefonbuch endgültig zurück. Inzwischen ist aber auch das Schnee von gestern. Heute holt man sich Telefonnummern bei Bedarf aus dem Web und telefoniert ohnehin mehr mobil als über das Festnetz. Die CD, die es in den letzten Jahren zusammen mit den Telefonbüchern im Eingangsbereich von Supermärkten kostenlos am Wühltisch gab, nimmt deshalb auch kaum noch jemand mit. Das wiederum schmälert nun aber leider die Auflage und damit den Tausenderkontaktpreis der enthaltenen Anzeigen. Deshalb haben sich die Verlage etwas sehr Cleveres einfallen lassen. Als besonderen Service hängten kürzlich Saisonkräfte die in Plastiktüten eingeschweißten Telefonbücher ungefragt an die Türen in unserem Viertel. Soweit ich es beobachten konnte, sehen die meisten dieser Nachschlagewerke, nie das Innere unserer Wohnungen. Vielmehr wandern sie auf dem kurzen Weg vom Gartentor direkt in die Papiertonne. Ich finde, dass dies ein erbärmlicher Abgesang auf ein viele Jahrzehnte lang wertvolles Produkt ist. Und mal ehrlich: Irgendwann werden doch auch die Anzeigenkunden dahinter kommen?
1881 erschien in Berlin das erste „Verzeichniss der bei der Fernsprecheinrichtung Betheiligten“ mit 185 Einträgen. Im Berliner Volksmund wurde das erste Telefonbuch Deutschlands auch „Buch der 99 Narren“ genannt, weil dem Mann auf der Straße die ersten deutschen Teilnehmer leid taten, die auf diesen „Schwindel aus Amerika“ hereingefallen waren. Durch seine Auslieferung als "Amtliches Fernsprechbuch" an alle Fernsprechteilnehmer erreichte es in den 70er Jahren eine massenhafte Verbreitung in deutschen Haushalten. Inhaber eines Telefonanschlusses erhielten bei Neuerscheinen eine Benachrichtigungskarte. Mit dieser ging man zu einer Ausgabestelle, wo man die Karte gegen die neue Ausgabe des Telefonbuches eintauschte. In Berlin war das immer recht mühsam, da das Paket aus Telefonbuch und Gelben Seiten hier in den 90er Jahren aus fünf dicken Bänden bestand. Irgendwann gab es dann eine CD-ROM zur gedruckten Ausgabe dazu, auf der all diese Angaben enthalten waren. Aber zunächst war man mit dem gewohnten Blättern im Buch oft noch schneller. Die Entwicklung einer anwendungsfreundlichen Suchfunktion brauchte ihre Zeit. Irgendwann war sie aber geschaffen und ich benutzte nur noch die elektronische Suche am PC. Als es die Möglichkeit gab, nur die CD allein mitzunehmen, ließ ich das gedruckte Telefonbuch endgültig zurück. Inzwischen ist aber auch das Schnee von gestern. Heute holt man sich Telefonnummern bei Bedarf aus dem Web und telefoniert ohnehin mehr mobil als über das Festnetz. Die CD, die es in den letzten Jahren zusammen mit den Telefonbüchern im Eingangsbereich von Supermärkten kostenlos am Wühltisch gab, nimmt deshalb auch kaum noch jemand mit. Das wiederum schmälert nun aber leider die Auflage und damit den Tausenderkontaktpreis der enthaltenen Anzeigen. Deshalb haben sich die Verlage etwas sehr Cleveres einfallen lassen. Als besonderen Service hängten kürzlich Saisonkräfte die in Plastiktüten eingeschweißten Telefonbücher ungefragt an die Türen in unserem Viertel. Soweit ich es beobachten konnte, sehen die meisten dieser Nachschlagewerke, nie das Innere unserer Wohnungen. Vielmehr wandern sie auf dem kurzen Weg vom Gartentor direkt in die Papiertonne. Ich finde, dass dies ein erbärmlicher Abgesang auf ein viele Jahrzehnte lang wertvolles Produkt ist. Und mal ehrlich: Irgendwann werden doch auch die Anzeigenkunden dahinter kommen?
Das lange Sterben des Telefonbuches
Ich seh' etwas, was Du nicht siehst …
Bei einem Besuch Londons können sich empfindsame Gemüter durchaus beobachtet vorkommen. Und das nicht eines imaginären Promifaktors wegen, sondern aufgrund der vielen Überwachungskameras, die einen von Häuserwänden, Lampenmasten und Hauseingängen aus beobachten. Glücklicherweise lässt sich die Erscheinung ganz gut verdrängen, sonst wäre der Kurzurlaub in Englands Metropole schnell getrübt.
Ach, das kennen wir doch von zuhause, werden die Bewohner anderer Großstädte jetzt einwenden. Aber weit gefehlt. Die Dichte der elektronischen Augen (und Ohren) im Berliner Regierungsviertel dürfte noch deutlich unter der einer Londoner Einkaufsstraße wie der Oxford Street liegen. In London sollen es geschätzt über eine Million Kameras sein.
All diese Kameras machen natürlich nur Sinn, wenn ihre Bilder auch angesehen und im Falle eines Fehlverhaltens darauf zeitnah reagiert wird. Daraus ergibt sich eine einfache Rechnung, die den Irrsinn des Ganzen deutlich macht:
Es sind übrigens beileibe nicht nur Staat und Kommunen, die diese Kameras betreiben. Die Mehrzahl wird von Geschäftsleuten und Privatpersonen installiert. Es ist geradezu schon zu einer Manie vieler Londoner geworden. Beim Besuch eines kleinen Restaurants in China Town viel mein Blick auf einen großen Monitor, der auf dem Bartresen stand. Er war in neun Rechtecke unterteilt, in denen die Aufnahme jeweils einer Überwachungskamera lief.
Als wir am nächsten Morgen bei unseren Gastgebern im Reihenhaus mit Garten am Stadtrand Londons saßen, erzählten wir ihnen von dieser ungewöhnlichen Beobachtung. Anstatt jedoch unsere Verwunderung zu verstehen, wiesen sie uns voller Stolz darauf hin, dass auch sie in und am Haus mehrere Kameras betrieben, deren Bilder sie mit einem mobilen Endgerät abrufen konnten.
Man kann das sicher als einen mehr oder weniger lustigen Spleen abtun. Irgendwann werden aber keine Menschen mehr hinter den Bildschirmen sitzen. Dann wird eine Software diese Aufgabe übernehmen. Eine Software, die Gesichter erkennt und Handlungen bewertet, die wirklich alles sieht und nie ermüdet. Bisher funktionieren entsprechende Lösungen zum Glück noch nicht zuverlässig. Aber das ist nur eine Frage der Zeit. Ich befürchte, dass, wenn es soweit ist, von derartig Kameravernarrten Menschen wenig Widerstand zu erwarten ist.
Ach, das kennen wir doch von zuhause, werden die Bewohner anderer Großstädte jetzt einwenden. Aber weit gefehlt. Die Dichte der elektronischen Augen (und Ohren) im Berliner Regierungsviertel dürfte noch deutlich unter der einer Londoner Einkaufsstraße wie der Oxford Street liegen. In London sollen es geschätzt über eine Million Kameras sein.
All diese Kameras machen natürlich nur Sinn, wenn ihre Bilder auch angesehen und im Falle eines Fehlverhaltens darauf zeitnah reagiert wird. Daraus ergibt sich eine einfache Rechnung, die den Irrsinn des Ganzen deutlich macht:
Stellen Sie sich vor, vor einer Wand mit jeweils 10 flimmernden Kamerabildern säße je ein Mensch, der die Bildschirme den ganzen Tag aufmerksam beobachtet. Das allein ist schon schwer vorstellbar. Aber angenommen, es wäre so, dann wären allein in London um die 100.000 Menschen mit dieser Aufgabe beschäftigt. Nun kann man über diese Rechnung streiten und sie so lange korrigieren, bis man auf eine plausible Zahl von berufsmäßigen Voyeuren kommt. Sie werden aber zugeben, dass die Überwachung dann in den meisten Fällen völlig sinnlos und eine mögliche Entdeckung von Untaten reiner Zufall wäre.
Es sind übrigens beileibe nicht nur Staat und Kommunen, die diese Kameras betreiben. Die Mehrzahl wird von Geschäftsleuten und Privatpersonen installiert. Es ist geradezu schon zu einer Manie vieler Londoner geworden. Beim Besuch eines kleinen Restaurants in China Town viel mein Blick auf einen großen Monitor, der auf dem Bartresen stand. Er war in neun Rechtecke unterteilt, in denen die Aufnahme jeweils einer Überwachungskamera lief.
Als wir am nächsten Morgen bei unseren Gastgebern im Reihenhaus mit Garten am Stadtrand Londons saßen, erzählten wir ihnen von dieser ungewöhnlichen Beobachtung. Anstatt jedoch unsere Verwunderung zu verstehen, wiesen sie uns voller Stolz darauf hin, dass auch sie in und am Haus mehrere Kameras betrieben, deren Bilder sie mit einem mobilen Endgerät abrufen konnten.
Man kann das sicher als einen mehr oder weniger lustigen Spleen abtun. Irgendwann werden aber keine Menschen mehr hinter den Bildschirmen sitzen. Dann wird eine Software diese Aufgabe übernehmen. Eine Software, die Gesichter erkennt und Handlungen bewertet, die wirklich alles sieht und nie ermüdet. Bisher funktionieren entsprechende Lösungen zum Glück noch nicht zuverlässig. Aber das ist nur eine Frage der Zeit. Ich befürchte, dass, wenn es soweit ist, von derartig Kameravernarrten Menschen wenig Widerstand zu erwarten ist.
Bei einem Besuch Londons können sich empfindsame Gemüter durchaus beobachtet vorkommen. Und das nicht eines imaginären Promifaktors wegen, sondern aufgrund der vielen Überwachungskameras, die einen von Häuserwänden, Lampenmasten und Hauseingängen aus beobachten. Glücklicherweise lässt sich die Erscheinung ganz gut verdrängen, sonst wäre der Kurzurlaub in Englands Metropole schnell getrübt.
Ach, das kennen wir doch von zuhause, werden die Bewohner anderer Großstädte jetzt einwenden. Aber weit gefehlt. Die Dichte der elektronischen Augen (und Ohren) im Berliner Regierungsviertel dürfte noch deutlich unter der einer Londoner Einkaufsstraße wie der Oxford Street liegen. In London sollen es geschätzt über eine Million Kameras sein.
All diese Kameras machen natürlich nur Sinn, wenn ihre Bilder auch angesehen und im Falle eines Fehlverhaltens darauf zeitnah reagiert wird. Daraus ergibt sich eine einfache Rechnung, die den Irrsinn des Ganzen deutlich macht:
Es sind übrigens beileibe nicht nur Staat und Kommunen, die diese Kameras betreiben. Die Mehrzahl wird von Geschäftsleuten und Privatpersonen installiert. Es ist geradezu schon zu einer Manie vieler Londoner geworden. Beim Besuch eines kleinen Restaurants in China Town viel mein Blick auf einen großen Monitor, der auf dem Bartresen stand. Er war in neun Rechtecke unterteilt, in denen die Aufnahme jeweils einer Überwachungskamera lief.
Als wir am nächsten Morgen bei unseren Gastgebern im Reihenhaus mit Garten am Stadtrand Londons saßen, erzählten wir ihnen von dieser ungewöhnlichen Beobachtung. Anstatt jedoch unsere Verwunderung zu verstehen, wiesen sie uns voller Stolz darauf hin, dass auch sie in und am Haus mehrere Kameras betrieben, deren Bilder sie mit einem mobilen Endgerät abrufen konnten.
Man kann das sicher als einen mehr oder weniger lustigen Spleen abtun. Irgendwann werden aber keine Menschen mehr hinter den Bildschirmen sitzen. Dann wird eine Software diese Aufgabe übernehmen. Eine Software, die Gesichter erkennt und Handlungen bewertet, die wirklich alles sieht und nie ermüdet. Bisher funktionieren entsprechende Lösungen zum Glück noch nicht zuverlässig. Aber das ist nur eine Frage der Zeit. Ich befürchte, dass, wenn es soweit ist, von derartig Kameravernarrten Menschen wenig Widerstand zu erwarten ist.
Ach, das kennen wir doch von zuhause, werden die Bewohner anderer Großstädte jetzt einwenden. Aber weit gefehlt. Die Dichte der elektronischen Augen (und Ohren) im Berliner Regierungsviertel dürfte noch deutlich unter der einer Londoner Einkaufsstraße wie der Oxford Street liegen. In London sollen es geschätzt über eine Million Kameras sein.
All diese Kameras machen natürlich nur Sinn, wenn ihre Bilder auch angesehen und im Falle eines Fehlverhaltens darauf zeitnah reagiert wird. Daraus ergibt sich eine einfache Rechnung, die den Irrsinn des Ganzen deutlich macht:
Stellen Sie sich vor, vor einer Wand mit jeweils 10 flimmernden Kamerabildern säße je ein Mensch, der die Bildschirme den ganzen Tag aufmerksam beobachtet. Das allein ist schon schwer vorstellbar. Aber angenommen, es wäre so, dann wären allein in London um die 100.000 Menschen mit dieser Aufgabe beschäftigt. Nun kann man über diese Rechnung streiten und sie so lange korrigieren, bis man auf eine plausible Zahl von berufsmäßigen Voyeuren kommt. Sie werden aber zugeben, dass die Überwachung dann in den meisten Fällen völlig sinnlos und eine mögliche Entdeckung von Untaten reiner Zufall wäre.
Es sind übrigens beileibe nicht nur Staat und Kommunen, die diese Kameras betreiben. Die Mehrzahl wird von Geschäftsleuten und Privatpersonen installiert. Es ist geradezu schon zu einer Manie vieler Londoner geworden. Beim Besuch eines kleinen Restaurants in China Town viel mein Blick auf einen großen Monitor, der auf dem Bartresen stand. Er war in neun Rechtecke unterteilt, in denen die Aufnahme jeweils einer Überwachungskamera lief.
Als wir am nächsten Morgen bei unseren Gastgebern im Reihenhaus mit Garten am Stadtrand Londons saßen, erzählten wir ihnen von dieser ungewöhnlichen Beobachtung. Anstatt jedoch unsere Verwunderung zu verstehen, wiesen sie uns voller Stolz darauf hin, dass auch sie in und am Haus mehrere Kameras betrieben, deren Bilder sie mit einem mobilen Endgerät abrufen konnten.
Man kann das sicher als einen mehr oder weniger lustigen Spleen abtun. Irgendwann werden aber keine Menschen mehr hinter den Bildschirmen sitzen. Dann wird eine Software diese Aufgabe übernehmen. Eine Software, die Gesichter erkennt und Handlungen bewertet, die wirklich alles sieht und nie ermüdet. Bisher funktionieren entsprechende Lösungen zum Glück noch nicht zuverlässig. Aber das ist nur eine Frage der Zeit. Ich befürchte, dass, wenn es soweit ist, von derartig Kameravernarrten Menschen wenig Widerstand zu erwarten ist.
Ich seh' etwas, was Du nicht siehst …
Walk Man!
Folgende Geschichte muss ich loswerden, auch wenn ich mir damit selbst wieder einmal vor Augen führe, dass ich schon verdammt alt bin.
Gerade war ich auf einem dieser neumodischen Get-together, bei dem in den Ecken (zumeist) Männer mit ihren Smartphones stehen, wie gebannt auf Minibildschirme starren und diese zwischendurch immer wieder betasten oder liebevoll streicheln. Fast hat man sich an diesen Anblick schon gewöhnt. Auf dem Heimweg fiel mir dann auf dem Bahnsteig noch ein junger Mann auf, der ähnlich liebevoll mit seinem Streichelbrettchen (eng. "iPad") verfuhr. Auch das kein völlig überraschender Anblick mehr. Dabei stieg in mir eine Erinnerung an Kinder-, na gut Jugendtage auf:
Es war Anfang der achtziger Jahre des vorherigen Jahrhunderts. Telefone waren noch mit einer Schnur an die Wand gefesselt. Wer unterwegs dringend etwas über weite Entfernung mitzuteilen hatte, benutzte eine Telefonzelle oder ging zur Post und versandte ein Telegramm. (Bitte auf Wikipedia nachschlagen!) In dieser guten alten Zeit kam ein teuflisches Produkt auf den Markt, das von da an das Straßenbild veränderte und die Empörung und das Unverständnis unserer Eltern hervorrief: Der Walkman.
Selten zuvor hatte es ein derartiges Stück Technik gegeben, das den Anblick und das Verhalten von Fußgängern so veränderte. Menschen, die auf der Straße liefen, dabei Kopfhörer trugen und unterwegs Musik lauschten. UNERHÖRT! Aber in dem Maße, wie die Älteren dagegen wetterten, wurde der Walkman zum Statussymbol einer jüngeren Generation. Gleichzeitig machte er den Musikgenuss mobil. Heute können wir über die Vorwürfe von damals nur lächeln. Der (Kassetten-)Walkman, von dem allein Sony 200 Mio Geräte herstellte, wird seit Oktober nicht mehr produziert. Sein Sprung ins digitale MP3-Zeitalter ist ihm nur halbherzig gelungen. Heute ist er eine Marke unter vielen und kaum jemand bringt den so benannten MP3-Player noch mit dem revolutionären Gerät von 1979 in Verbindung.
Verständnisvoll lächeln werden übrigens wohl auch unsere Enkel, wenn sie in 30 Jahren hören, wie liebevoll Anfang dieses Jahrtausends Leute mit einem Plastik- oder Aluminiumbrettchen umgegangen sind und dass manche es sich gar an die Wange gehalten und darauf eingesprochen haben.
Gerade war ich auf einem dieser neumodischen Get-together, bei dem in den Ecken (zumeist) Männer mit ihren Smartphones stehen, wie gebannt auf Minibildschirme starren und diese zwischendurch immer wieder betasten oder liebevoll streicheln. Fast hat man sich an diesen Anblick schon gewöhnt. Auf dem Heimweg fiel mir dann auf dem Bahnsteig noch ein junger Mann auf, der ähnlich liebevoll mit seinem Streichelbrettchen (eng. "iPad") verfuhr. Auch das kein völlig überraschender Anblick mehr. Dabei stieg in mir eine Erinnerung an Kinder-, na gut Jugendtage auf:
Es war Anfang der achtziger Jahre des vorherigen Jahrhunderts. Telefone waren noch mit einer Schnur an die Wand gefesselt. Wer unterwegs dringend etwas über weite Entfernung mitzuteilen hatte, benutzte eine Telefonzelle oder ging zur Post und versandte ein Telegramm. (Bitte auf Wikipedia nachschlagen!) In dieser guten alten Zeit kam ein teuflisches Produkt auf den Markt, das von da an das Straßenbild veränderte und die Empörung und das Unverständnis unserer Eltern hervorrief: Der Walkman.
Selten zuvor hatte es ein derartiges Stück Technik gegeben, das den Anblick und das Verhalten von Fußgängern so veränderte. Menschen, die auf der Straße liefen, dabei Kopfhörer trugen und unterwegs Musik lauschten. UNERHÖRT! Aber in dem Maße, wie die Älteren dagegen wetterten, wurde der Walkman zum Statussymbol einer jüngeren Generation. Gleichzeitig machte er den Musikgenuss mobil. Heute können wir über die Vorwürfe von damals nur lächeln. Der (Kassetten-)Walkman, von dem allein Sony 200 Mio Geräte herstellte, wird seit Oktober nicht mehr produziert. Sein Sprung ins digitale MP3-Zeitalter ist ihm nur halbherzig gelungen. Heute ist er eine Marke unter vielen und kaum jemand bringt den so benannten MP3-Player noch mit dem revolutionären Gerät von 1979 in Verbindung.
Verständnisvoll lächeln werden übrigens wohl auch unsere Enkel, wenn sie in 30 Jahren hören, wie liebevoll Anfang dieses Jahrtausends Leute mit einem Plastik- oder Aluminiumbrettchen umgegangen sind und dass manche es sich gar an die Wange gehalten und darauf eingesprochen haben.
Folgende Geschichte muss ich loswerden, auch wenn ich mir damit selbst wieder einmal vor Augen führe, dass ich schon verdammt alt bin.
Gerade war ich auf einem dieser neumodischen Get-together, bei dem in den Ecken (zumeist) Männer mit ihren Smartphones stehen, wie gebannt auf Minibildschirme starren und diese zwischendurch immer wieder betasten oder liebevoll streicheln. Fast hat man sich an diesen Anblick schon gewöhnt. Auf dem Heimweg fiel mir dann auf dem Bahnsteig noch ein junger Mann auf, der ähnlich liebevoll mit seinem Streichelbrettchen (eng. "iPad") verfuhr. Auch das kein völlig überraschender Anblick mehr. Dabei stieg in mir eine Erinnerung an Kinder-, na gut Jugendtage auf:
Es war Anfang der achtziger Jahre des vorherigen Jahrhunderts. Telefone waren noch mit einer Schnur an die Wand gefesselt. Wer unterwegs dringend etwas über weite Entfernung mitzuteilen hatte, benutzte eine Telefonzelle oder ging zur Post und versandte ein Telegramm. (Bitte auf Wikipedia nachschlagen!) In dieser guten alten Zeit kam ein teuflisches Produkt auf den Markt, das von da an das Straßenbild veränderte und die Empörung und das Unverständnis unserer Eltern hervorrief: Der Walkman.
Selten zuvor hatte es ein derartiges Stück Technik gegeben, das den Anblick und das Verhalten von Fußgängern so veränderte. Menschen, die auf der Straße liefen, dabei Kopfhörer trugen und unterwegs Musik lauschten. UNERHÖRT! Aber in dem Maße, wie die Älteren dagegen wetterten, wurde der Walkman zum Statussymbol einer jüngeren Generation. Gleichzeitig machte er den Musikgenuss mobil. Heute können wir über die Vorwürfe von damals nur lächeln. Der (Kassetten-)Walkman, von dem allein Sony 200 Mio Geräte herstellte, wird seit Oktober nicht mehr produziert. Sein Sprung ins digitale MP3-Zeitalter ist ihm nur halbherzig gelungen. Heute ist er eine Marke unter vielen und kaum jemand bringt den so benannten MP3-Player noch mit dem revolutionären Gerät von 1979 in Verbindung.
Verständnisvoll lächeln werden übrigens wohl auch unsere Enkel, wenn sie in 30 Jahren hören, wie liebevoll Anfang dieses Jahrtausends Leute mit einem Plastik- oder Aluminiumbrettchen umgegangen sind und dass manche es sich gar an die Wange gehalten und darauf eingesprochen haben.
Gerade war ich auf einem dieser neumodischen Get-together, bei dem in den Ecken (zumeist) Männer mit ihren Smartphones stehen, wie gebannt auf Minibildschirme starren und diese zwischendurch immer wieder betasten oder liebevoll streicheln. Fast hat man sich an diesen Anblick schon gewöhnt. Auf dem Heimweg fiel mir dann auf dem Bahnsteig noch ein junger Mann auf, der ähnlich liebevoll mit seinem Streichelbrettchen (eng. "iPad") verfuhr. Auch das kein völlig überraschender Anblick mehr. Dabei stieg in mir eine Erinnerung an Kinder-, na gut Jugendtage auf:
Es war Anfang der achtziger Jahre des vorherigen Jahrhunderts. Telefone waren noch mit einer Schnur an die Wand gefesselt. Wer unterwegs dringend etwas über weite Entfernung mitzuteilen hatte, benutzte eine Telefonzelle oder ging zur Post und versandte ein Telegramm. (Bitte auf Wikipedia nachschlagen!) In dieser guten alten Zeit kam ein teuflisches Produkt auf den Markt, das von da an das Straßenbild veränderte und die Empörung und das Unverständnis unserer Eltern hervorrief: Der Walkman.
Selten zuvor hatte es ein derartiges Stück Technik gegeben, das den Anblick und das Verhalten von Fußgängern so veränderte. Menschen, die auf der Straße liefen, dabei Kopfhörer trugen und unterwegs Musik lauschten. UNERHÖRT! Aber in dem Maße, wie die Älteren dagegen wetterten, wurde der Walkman zum Statussymbol einer jüngeren Generation. Gleichzeitig machte er den Musikgenuss mobil. Heute können wir über die Vorwürfe von damals nur lächeln. Der (Kassetten-)Walkman, von dem allein Sony 200 Mio Geräte herstellte, wird seit Oktober nicht mehr produziert. Sein Sprung ins digitale MP3-Zeitalter ist ihm nur halbherzig gelungen. Heute ist er eine Marke unter vielen und kaum jemand bringt den so benannten MP3-Player noch mit dem revolutionären Gerät von 1979 in Verbindung.
Verständnisvoll lächeln werden übrigens wohl auch unsere Enkel, wenn sie in 30 Jahren hören, wie liebevoll Anfang dieses Jahrtausends Leute mit einem Plastik- oder Aluminiumbrettchen umgegangen sind und dass manche es sich gar an die Wange gehalten und darauf eingesprochen haben.
Walk Man!
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Geschichte,
Technik,
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Archaische Muster
So ein Urlaub in der Provence lässt Zeit, um in Ruhe auch über nebensächliche Beobachtungen nachzudenken. So ging es mir gerade in den schmalen Gassen der Altstadt von Apt. Diese Gassen sind an vielen Stellen kaum zwei Meter breit und doch preschen von Zeit zu Zeit Autos hindurch. Für Fußgänger bedeutet das, ständig auf der Hut zu sein, sich beim Herannahen eines Autos in Hauseingänge zu flüchten oder sich, wo noch genügend Platz bleibt, an Häuserwände zu pressen.

An den etwas breiteren Stellen dieser Gassen gibt es in unregelmäßigem Abstand immer wieder kurze, gut einen Meter lange Geländer. Diese stehen parallel zur Hauswand und sind von dieser etwa einen halben Meter entfernt. Nun gibt es auch bei uns zuhause an viel befahrenen Straßen Geländer. Diese sollen die Fußgänger üblicherweise daran hindern, auf die Fahrbahn zu treten. Das kann aber kaum der Grund für die Geländer in Apt sein, denn Platz, um Fahrzeugen in die Quere zu kommen, blieb abseits dieser Geländer mehr als genug. Diese sollen wohl viel mehr Fluchträume für Fußgänger schaffen, in die diese sich bei herannahenden Autos retten können. Die Situation erinnerte mich stark an die im Süden Frankreichs noch lebendige Tradition der Stierkämpfe. Auch bei der Corrida stehen den Banderillas hölzerne Barrieren zur Verfügung, hinter die sie sich vor dem herannahenden Stier mit einem oft an ein Wunder grenzenden Sprung retten können. Genau diese Funktion scheinen auch die Geländer in den schmalen Gassen zu haben. Mögen die Stierkämpfe auch mehr und mehr aussterben, dieses archaische Verhaltensmuster hat sich offensichtlich in die moderne Zeit hinüber gerettet.
An den etwas breiteren Stellen dieser Gassen gibt es in unregelmäßigem Abstand immer wieder kurze, gut einen Meter lange Geländer. Diese stehen parallel zur Hauswand und sind von dieser etwa einen halben Meter entfernt. Nun gibt es auch bei uns zuhause an viel befahrenen Straßen Geländer. Diese sollen die Fußgänger üblicherweise daran hindern, auf die Fahrbahn zu treten. Das kann aber kaum der Grund für die Geländer in Apt sein, denn Platz, um Fahrzeugen in die Quere zu kommen, blieb abseits dieser Geländer mehr als genug. Diese sollen wohl viel mehr Fluchträume für Fußgänger schaffen, in die diese sich bei herannahenden Autos retten können. Die Situation erinnerte mich stark an die im Süden Frankreichs noch lebendige Tradition der Stierkämpfe. Auch bei der Corrida stehen den Banderillas hölzerne Barrieren zur Verfügung, hinter die sie sich vor dem herannahenden Stier mit einem oft an ein Wunder grenzenden Sprung retten können. Genau diese Funktion scheinen auch die Geländer in den schmalen Gassen zu haben. Mögen die Stierkämpfe auch mehr und mehr aussterben, dieses archaische Verhaltensmuster hat sich offensichtlich in die moderne Zeit hinüber gerettet.
So ein Urlaub in der Provence lässt Zeit, um in Ruhe auch über nebensächliche Beobachtungen nachzudenken. So ging es mir gerade in den schmalen Gassen der Altstadt von Apt. Diese Gassen sind an vielen Stellen kaum zwei Meter breit und doch preschen von Zeit zu Zeit Autos hindurch. Für Fußgänger bedeutet das, ständig auf der Hut zu sein, sich beim Herannahen eines Autos in Hauseingänge zu flüchten oder sich, wo noch genügend Platz bleibt, an Häuserwände zu pressen.

An den etwas breiteren Stellen dieser Gassen gibt es in unregelmäßigem Abstand immer wieder kurze, gut einen Meter lange Geländer. Diese stehen parallel zur Hauswand und sind von dieser etwa einen halben Meter entfernt. Nun gibt es auch bei uns zuhause an viel befahrenen Straßen Geländer. Diese sollen die Fußgänger üblicherweise daran hindern, auf die Fahrbahn zu treten. Das kann aber kaum der Grund für die Geländer in Apt sein, denn Platz, um Fahrzeugen in die Quere zu kommen, blieb abseits dieser Geländer mehr als genug. Diese sollen wohl viel mehr Fluchträume für Fußgänger schaffen, in die diese sich bei herannahenden Autos retten können. Die Situation erinnerte mich stark an die im Süden Frankreichs noch lebendige Tradition der Stierkämpfe. Auch bei der Corrida stehen den Banderillas hölzerne Barrieren zur Verfügung, hinter die sie sich vor dem herannahenden Stier mit einem oft an ein Wunder grenzenden Sprung retten können. Genau diese Funktion scheinen auch die Geländer in den schmalen Gassen zu haben. Mögen die Stierkämpfe auch mehr und mehr aussterben, dieses archaische Verhaltensmuster hat sich offensichtlich in die moderne Zeit hinüber gerettet.
An den etwas breiteren Stellen dieser Gassen gibt es in unregelmäßigem Abstand immer wieder kurze, gut einen Meter lange Geländer. Diese stehen parallel zur Hauswand und sind von dieser etwa einen halben Meter entfernt. Nun gibt es auch bei uns zuhause an viel befahrenen Straßen Geländer. Diese sollen die Fußgänger üblicherweise daran hindern, auf die Fahrbahn zu treten. Das kann aber kaum der Grund für die Geländer in Apt sein, denn Platz, um Fahrzeugen in die Quere zu kommen, blieb abseits dieser Geländer mehr als genug. Diese sollen wohl viel mehr Fluchträume für Fußgänger schaffen, in die diese sich bei herannahenden Autos retten können. Die Situation erinnerte mich stark an die im Süden Frankreichs noch lebendige Tradition der Stierkämpfe. Auch bei der Corrida stehen den Banderillas hölzerne Barrieren zur Verfügung, hinter die sie sich vor dem herannahenden Stier mit einem oft an ein Wunder grenzenden Sprung retten können. Genau diese Funktion scheinen auch die Geländer in den schmalen Gassen zu haben. Mögen die Stierkämpfe auch mehr und mehr aussterben, dieses archaische Verhaltensmuster hat sich offensichtlich in die moderne Zeit hinüber gerettet.
Archaische Muster
Abschied vom Analogen
Ein ohrenbetäubendes Klappern ließ mich herumfahren. Es klang, als würden hunderte Dominosteine fast gleichzeitig umfallen. Was ich stattdessen sah, war allerdings nur die große Anzeigetafel in der Bahnhofshalle, auf der über die abfahrenden und ankommenden Züge informiert wurde. Es hatte sich wohl gerade ein Zug verspätet oder war abgefahren. Die Anzeige wurde in diesem Moment aktualisiert. Hunderte Täfelchen aus Plastik, die wie kleine Schaufelräder aufgehängt waren, fielen nach unten und gaben die hinter ihnen versteckten nächsten Buchstaben oder Zahlen frei. War dieses noch nicht das richtige, klappte das nächste auf, bis schließlich der korrekte Zielort des jeweiligen Zuges zu lesen war. Ein beeindruckendes Werk der Mechanik in einer digitalen Umwelt. Und, sieht man von gelegentlichen Aussetzern einzelner Buchstaben ab, es tat meist zuverlässig seinen Dienst.
Damit ist es jetzt vorbei. Die Bahn investiert als modernes Technologieunternehmen in Zukunft. Deshalb werden die alten „Zugzielanzeiger“ (Bahndeutsch) ausgetauscht und durch zeitgemäße elektronische Displays ersetzt. Ein normaler alltäglicher Vorgang, der uns kaum berührt. Eher wird der eine oder andere unter uns darüber staunen, dass es die mechanischen Anzeigetafeln überhaupt noch gab. Und doch werden wir einmal mehr Zeugen des Untergangs einer Epoche, wird unser digitales Leben um eine sinnliche (analoge) Erfahrung ärmer. So, wie elektrische Lampen keine Gerüche mehr verbreiten, machen elektronische Anzeigetafeln (im Normalfall) keine Geräusche mehr.
Muss man das Beklagen? Immerhin verschwindet damit auch eine vom Menschen gemachte Lärmquelle, über die sich im Falle der Anzeigetafeln bisher allerdings kaum jemand beschwert haben dürfte. Aber lassen wir die Symbolik des Vorgangs gelten. Vielleicht führt der Siegeszug der Digitalisierung ja tatsächlich zu einer Reduzierung der akustischen Umweltverschmutzung. Der Lüfter meines Rechners lässt mich zuweilen allerdings an dieser These zweifeln. Aber das nur am Rande.
Bleibt noch der Verlust des Sinnlichen. Ihn empfinden viele Menschen, mich eingeschlossen, im Zuge der Digitalisierung tatsächlich als schmerzlich. Trost spenden am ehesten ästhetische und haptische Ausreißer in der elektronischen Warenwelt. Schwer fällt es mir, generationsbedingt, über die sinnliche Ersatzbefriedigung virtueller Welten zu urteilen. Ich ahne aber, dass sich dort, insbesondere im Zuge der 3D-Visualisierung Alternativen auftun. Wenn nicht, bleibt immer noch die Auszeit aus der digitalen Welt und der temporäre Rückzug in die analoge, früher hätte ich gesagt „die wirkliche Welt“. Also raus ins Freie und dem den Frühling ankündigenden Vogelgezwitscher gelauscht. Und ich spreche von Gezwitscher, nicht von geTwitter.
Damit ist es jetzt vorbei. Die Bahn investiert als modernes Technologieunternehmen in Zukunft. Deshalb werden die alten „Zugzielanzeiger“ (Bahndeutsch) ausgetauscht und durch zeitgemäße elektronische Displays ersetzt. Ein normaler alltäglicher Vorgang, der uns kaum berührt. Eher wird der eine oder andere unter uns darüber staunen, dass es die mechanischen Anzeigetafeln überhaupt noch gab. Und doch werden wir einmal mehr Zeugen des Untergangs einer Epoche, wird unser digitales Leben um eine sinnliche (analoge) Erfahrung ärmer. So, wie elektrische Lampen keine Gerüche mehr verbreiten, machen elektronische Anzeigetafeln (im Normalfall) keine Geräusche mehr.
Muss man das Beklagen? Immerhin verschwindet damit auch eine vom Menschen gemachte Lärmquelle, über die sich im Falle der Anzeigetafeln bisher allerdings kaum jemand beschwert haben dürfte. Aber lassen wir die Symbolik des Vorgangs gelten. Vielleicht führt der Siegeszug der Digitalisierung ja tatsächlich zu einer Reduzierung der akustischen Umweltverschmutzung. Der Lüfter meines Rechners lässt mich zuweilen allerdings an dieser These zweifeln. Aber das nur am Rande.
Bleibt noch der Verlust des Sinnlichen. Ihn empfinden viele Menschen, mich eingeschlossen, im Zuge der Digitalisierung tatsächlich als schmerzlich. Trost spenden am ehesten ästhetische und haptische Ausreißer in der elektronischen Warenwelt. Schwer fällt es mir, generationsbedingt, über die sinnliche Ersatzbefriedigung virtueller Welten zu urteilen. Ich ahne aber, dass sich dort, insbesondere im Zuge der 3D-Visualisierung Alternativen auftun. Wenn nicht, bleibt immer noch die Auszeit aus der digitalen Welt und der temporäre Rückzug in die analoge, früher hätte ich gesagt „die wirkliche Welt“. Also raus ins Freie und dem den Frühling ankündigenden Vogelgezwitscher gelauscht. Und ich spreche von Gezwitscher, nicht von geTwitter.
Ein ohrenbetäubendes Klappern ließ mich herumfahren. Es klang, als würden hunderte Dominosteine fast gleichzeitig umfallen. Was ich stattdessen sah, war allerdings nur die große Anzeigetafel in der Bahnhofshalle, auf der über die abfahrenden und ankommenden Züge informiert wurde. Es hatte sich wohl gerade ein Zug verspätet oder war abgefahren. Die Anzeige wurde in diesem Moment aktualisiert. Hunderte Täfelchen aus Plastik, die wie kleine Schaufelräder aufgehängt waren, fielen nach unten und gaben die hinter ihnen versteckten nächsten Buchstaben oder Zahlen frei. War dieses noch nicht das richtige, klappte das nächste auf, bis schließlich der korrekte Zielort des jeweiligen Zuges zu lesen war. Ein beeindruckendes Werk der Mechanik in einer digitalen Umwelt. Und, sieht man von gelegentlichen Aussetzern einzelner Buchstaben ab, es tat meist zuverlässig seinen Dienst.
Damit ist es jetzt vorbei. Die Bahn investiert als modernes Technologieunternehmen in Zukunft. Deshalb werden die alten „Zugzielanzeiger“ (Bahndeutsch) ausgetauscht und durch zeitgemäße elektronische Displays ersetzt. Ein normaler alltäglicher Vorgang, der uns kaum berührt. Eher wird der eine oder andere unter uns darüber staunen, dass es die mechanischen Anzeigetafeln überhaupt noch gab. Und doch werden wir einmal mehr Zeugen des Untergangs einer Epoche, wird unser digitales Leben um eine sinnliche (analoge) Erfahrung ärmer. So, wie elektrische Lampen keine Gerüche mehr verbreiten, machen elektronische Anzeigetafeln (im Normalfall) keine Geräusche mehr.
Muss man das Beklagen? Immerhin verschwindet damit auch eine vom Menschen gemachte Lärmquelle, über die sich im Falle der Anzeigetafeln bisher allerdings kaum jemand beschwert haben dürfte. Aber lassen wir die Symbolik des Vorgangs gelten. Vielleicht führt der Siegeszug der Digitalisierung ja tatsächlich zu einer Reduzierung der akustischen Umweltverschmutzung. Der Lüfter meines Rechners lässt mich zuweilen allerdings an dieser These zweifeln. Aber das nur am Rande.
Bleibt noch der Verlust des Sinnlichen. Ihn empfinden viele Menschen, mich eingeschlossen, im Zuge der Digitalisierung tatsächlich als schmerzlich. Trost spenden am ehesten ästhetische und haptische Ausreißer in der elektronischen Warenwelt. Schwer fällt es mir, generationsbedingt, über die sinnliche Ersatzbefriedigung virtueller Welten zu urteilen. Ich ahne aber, dass sich dort, insbesondere im Zuge der 3D-Visualisierung Alternativen auftun. Wenn nicht, bleibt immer noch die Auszeit aus der digitalen Welt und der temporäre Rückzug in die analoge, früher hätte ich gesagt „die wirkliche Welt“. Also raus ins Freie und dem den Frühling ankündigenden Vogelgezwitscher gelauscht. Und ich spreche von Gezwitscher, nicht von geTwitter.
Damit ist es jetzt vorbei. Die Bahn investiert als modernes Technologieunternehmen in Zukunft. Deshalb werden die alten „Zugzielanzeiger“ (Bahndeutsch) ausgetauscht und durch zeitgemäße elektronische Displays ersetzt. Ein normaler alltäglicher Vorgang, der uns kaum berührt. Eher wird der eine oder andere unter uns darüber staunen, dass es die mechanischen Anzeigetafeln überhaupt noch gab. Und doch werden wir einmal mehr Zeugen des Untergangs einer Epoche, wird unser digitales Leben um eine sinnliche (analoge) Erfahrung ärmer. So, wie elektrische Lampen keine Gerüche mehr verbreiten, machen elektronische Anzeigetafeln (im Normalfall) keine Geräusche mehr.
Muss man das Beklagen? Immerhin verschwindet damit auch eine vom Menschen gemachte Lärmquelle, über die sich im Falle der Anzeigetafeln bisher allerdings kaum jemand beschwert haben dürfte. Aber lassen wir die Symbolik des Vorgangs gelten. Vielleicht führt der Siegeszug der Digitalisierung ja tatsächlich zu einer Reduzierung der akustischen Umweltverschmutzung. Der Lüfter meines Rechners lässt mich zuweilen allerdings an dieser These zweifeln. Aber das nur am Rande.
Bleibt noch der Verlust des Sinnlichen. Ihn empfinden viele Menschen, mich eingeschlossen, im Zuge der Digitalisierung tatsächlich als schmerzlich. Trost spenden am ehesten ästhetische und haptische Ausreißer in der elektronischen Warenwelt. Schwer fällt es mir, generationsbedingt, über die sinnliche Ersatzbefriedigung virtueller Welten zu urteilen. Ich ahne aber, dass sich dort, insbesondere im Zuge der 3D-Visualisierung Alternativen auftun. Wenn nicht, bleibt immer noch die Auszeit aus der digitalen Welt und der temporäre Rückzug in die analoge, früher hätte ich gesagt „die wirkliche Welt“. Also raus ins Freie und dem den Frühling ankündigenden Vogelgezwitscher gelauscht. Und ich spreche von Gezwitscher, nicht von geTwitter.
Abschied vom Analogen
Im Zug der Zeit
Seit mehreren Jahren nehme ich fast jeden Morgen einen Intercity der Deutschen Bahn, um ins Büro zu fahren. Gemeinsam mit mir sind Tag für Tag neben angehenden Nordseeurlaubern auch eine Reihe anderer Berufspendler unterwegs. Alle kennen sich vom Angesicht. Mit der Zeit sind wir uns vertraut, ohne je wirklich miteinander gesprochen zu haben. Weder habe ich jemals beobachtet, dass sich zwischen meinen Mitreisenden Bekanntschaften entwickelt hätten, noch habe ich selbst irgendwann das Gespräch zu anderen gesucht. Hin- und wieder überkam mich das Bedürfnis, die merkwürdige Distanz zwischen uns zu durchbrechen, in die Hände zu klatschen und "Aufgewacht!" zu rufen. Aber bevor es dazu wirklich kommen konnte, erwachte jedes Mal eine merkwürdige urdeutsche Hemmung in mir und ich zog mich dezent in mich zurück. Zu vielen meiner stummen Begleiter existieren in meinem Kopf inzwischen Geschichten, die ich mir mit der Zeit aufgrund von Beobachtungen zusammengesponnen habe. Leider werde ich wohl nie erfahren, ob sie der Wirklichkeit entsprechen. Das Pendel schwingt nämlich aus und meine täglichen Fahrten im Intercity Richtung Norddeich-Mole haben ein Ende.
Adieu, liebe Mitreisende, und gute Weiterfahrt!
Adieu, liebe Mitreisende, und gute Weiterfahrt!
Seit mehreren Jahren nehme ich fast jeden Morgen einen Intercity der Deutschen Bahn, um ins Büro zu fahren. Gemeinsam mit mir sind Tag für Tag neben angehenden Nordseeurlaubern auch eine Reihe anderer Berufspendler unterwegs. Alle kennen sich vom Angesicht. Mit der Zeit sind wir uns vertraut, ohne je wirklich miteinander gesprochen zu haben. Weder habe ich jemals beobachtet, dass sich zwischen meinen Mitreisenden Bekanntschaften entwickelt hätten, noch habe ich selbst irgendwann das Gespräch zu anderen gesucht. Hin- und wieder überkam mich das Bedürfnis, die merkwürdige Distanz zwischen uns zu durchbrechen, in die Hände zu klatschen und "Aufgewacht!" zu rufen. Aber bevor es dazu wirklich kommen konnte, erwachte jedes Mal eine merkwürdige urdeutsche Hemmung in mir und ich zog mich dezent in mich zurück. Zu vielen meiner stummen Begleiter existieren in meinem Kopf inzwischen Geschichten, die ich mir mit der Zeit aufgrund von Beobachtungen zusammengesponnen habe. Leider werde ich wohl nie erfahren, ob sie der Wirklichkeit entsprechen. Das Pendel schwingt nämlich aus und meine täglichen Fahrten im Intercity Richtung Norddeich-Mole haben ein Ende.
Adieu, liebe Mitreisende, und gute Weiterfahrt!
Adieu, liebe Mitreisende, und gute Weiterfahrt!
Im Zug der Zeit
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Alltägliches,
Bahnfahren,
Psychologie
Im Banne virtueller Gemeinschaften
Twitter, Yammer, Blogspot, Flikr, XING, Facebook, LinkedIn, MySpace, YouTube, Stayfriends und neuerdings auch noch Google Buzz – das ist derzeit mein Social Media-Repertoire. Es erscheint übertrieben, aber man halte mir bitte zugute, dass ich mich beruflich mit dem Internet beschäftige. Und zu meinen Prinzipien gehört es, die klassische „Berater sind Eunuchen. Sie wissen wie es geht, ...“-Falle zu meiden. Natürlich ist es nicht möglich, in all diesen virtuellen Gemeinschaften mit dem gleichen Engagement aktiv zu sein. Trotzdem statte ich meinen virtuellen Identitäten regelmäßige Besuche ab. Und eine natürliche Auslese findet auch in der virtuellen Welt statt, die Spreu beginnt sich vom Weizen zu trennen. Im Businessbereich dominiert bei mir eindeutig XING. Die dort täglich von mir genutzte Funktion nennt sich: „Neues aus Ihrem Netzwerk“. Sie hilft mir, den Karriereweg ehemaliger Kollegen und Geschäftspartner, die ich im realen Leben längst aus den Augen verloren hätte, zu verfolgen. Es funktioniert und ich gebe Monat für Monat sogar Geld für eine XING-Premiummitgliedschaft aus. Facebook hat für mich in den letzten Monaten deutlich an Bedeutung gewonnen. Die Schnittmenge zu meinen XING-Kontakten ist erheblich. Allerdings findet auf Facebook mit den gleichen (und einigen anderen) Menschen ein eher privater Austausch statt. Zwiespältig bleibt mein Verhältnis zu Twitter. Einerseits glaube ich, dass der Welt ohne Twitter nichts fehlen würde. Andererseits hat mich dieser Dienst in einer Weise in seinen Bann gezogen, die mich nachdenklich macht. In gewisser Weise trifft diese Vereinnahmung aber auf die genannten Social Media insgesamt zu. Wieso habe ich permanent das Gefühl, nachschauen zu müssen, was es in meinen Netzwerken Neues gibt? Woher kommt dieses Bedürfnis, mich öffentlich mitzuteilen? War es schon immer da oder wurde es durch die neuen technischen Möglichkeiten erst entfacht? Spürbar verstärkt wird dieser Sog durch die Nutzung meines Smartphones und die damit verbundene permanente Anbindung ans Internet. Höchste Zeit, sich mit den psychologischen, sozialen und kulturellen Auswirkungen zu beschäftigen. Mir scheint, ich habe da gerade ein Thema entdeckt, an dem ich dranbleiben werde.
Twitter, Yammer, Blogspot, Flikr, XING, Facebook, LinkedIn, MySpace, YouTube, Stayfriends und neuerdings auch noch Google Buzz – das ist derzeit mein Social Media-Repertoire. Es erscheint übertrieben, aber man halte mir bitte zugute, dass ich mich beruflich mit dem Internet beschäftige. Und zu meinen Prinzipien gehört es, die klassische „Berater sind Eunuchen. Sie wissen wie es geht, ...“-Falle zu meiden. Natürlich ist es nicht möglich, in all diesen virtuellen Gemeinschaften mit dem gleichen Engagement aktiv zu sein. Trotzdem statte ich meinen virtuellen Identitäten regelmäßige Besuche ab. Und eine natürliche Auslese findet auch in der virtuellen Welt statt, die Spreu beginnt sich vom Weizen zu trennen. Im Businessbereich dominiert bei mir eindeutig XING. Die dort täglich von mir genutzte Funktion nennt sich: „Neues aus Ihrem Netzwerk“. Sie hilft mir, den Karriereweg ehemaliger Kollegen und Geschäftspartner, die ich im realen Leben längst aus den Augen verloren hätte, zu verfolgen. Es funktioniert und ich gebe Monat für Monat sogar Geld für eine XING-Premiummitgliedschaft aus. Facebook hat für mich in den letzten Monaten deutlich an Bedeutung gewonnen. Die Schnittmenge zu meinen XING-Kontakten ist erheblich. Allerdings findet auf Facebook mit den gleichen (und einigen anderen) Menschen ein eher privater Austausch statt. Zwiespältig bleibt mein Verhältnis zu Twitter. Einerseits glaube ich, dass der Welt ohne Twitter nichts fehlen würde. Andererseits hat mich dieser Dienst in einer Weise in seinen Bann gezogen, die mich nachdenklich macht. In gewisser Weise trifft diese Vereinnahmung aber auf die genannten Social Media insgesamt zu. Wieso habe ich permanent das Gefühl, nachschauen zu müssen, was es in meinen Netzwerken Neues gibt? Woher kommt dieses Bedürfnis, mich öffentlich mitzuteilen? War es schon immer da oder wurde es durch die neuen technischen Möglichkeiten erst entfacht? Spürbar verstärkt wird dieser Sog durch die Nutzung meines Smartphones und die damit verbundene permanente Anbindung ans Internet. Höchste Zeit, sich mit den psychologischen, sozialen und kulturellen Auswirkungen zu beschäftigen. Mir scheint, ich habe da gerade ein Thema entdeckt, an dem ich dranbleiben werde.
Im Banne virtueller Gemeinschaften
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Social Media
Winterzauber im Flachland
Um es gleich vorwegzunehmen: Ich mag den Winter, so wie wir ihn gerade erleben. Zumindest hier am Rande der großen Stadt ist seit fünf Wochen alles so, wie man es sich sonst im Winterurlaub wünscht. Am Straßenrand türmt sich der Schnee fast einen Meter hoch.
Den Stadtforst durchziehen Loipen, auf denen sich am Wochenende die Langläufer tummeln. Von den immerhin 68 Meter hohen Püttbergen stürzen sich mutige Rodler und Abfahrtsläufer den Todeshang hinunter, der übrigens wegen des an seinem Fuße liegenden Friedhofes so heißt. Über den zugefrorenen Müggelsee fahren Quads, Eissegler und hunderte Schlittschuhläufer. Auf dem Eis gibt es Grillstände, Feuerstellen zum Aufwärmen und Hüttengaudi. Wozu da noch in die Alpen fahren. Es ist einer von den Wintern, die die fest in uns verwurzelte Vorstellung eines „richtigen Winters“ prägen, und in denen man sich zum Ende hin ganz besonders auf den kommenden Frühling freut.
Den Stadtforst durchziehen Loipen, auf denen sich am Wochenende die Langläufer tummeln. Von den immerhin 68 Meter hohen Püttbergen stürzen sich mutige Rodler und Abfahrtsläufer den Todeshang hinunter, der übrigens wegen des an seinem Fuße liegenden Friedhofes so heißt. Über den zugefrorenen Müggelsee fahren Quads, Eissegler und hunderte Schlittschuhläufer. Auf dem Eis gibt es Grillstände, Feuerstellen zum Aufwärmen und Hüttengaudi. Wozu da noch in die Alpen fahren. Es ist einer von den Wintern, die die fest in uns verwurzelte Vorstellung eines „richtigen Winters“ prägen, und in denen man sich zum Ende hin ganz besonders auf den kommenden Frühling freut.
Um es gleich vorwegzunehmen: Ich mag den Winter, so wie wir ihn gerade erleben. Zumindest hier am Rande der großen Stadt ist seit fünf Wochen alles so, wie man es sich sonst im Winterurlaub wünscht. Am Straßenrand türmt sich der Schnee fast einen Meter hoch.
Den Stadtforst durchziehen Loipen, auf denen sich am Wochenende die Langläufer tummeln. Von den immerhin 68 Meter hohen Püttbergen stürzen sich mutige Rodler und Abfahrtsläufer den Todeshang hinunter, der übrigens wegen des an seinem Fuße liegenden Friedhofes so heißt. Über den zugefrorenen Müggelsee fahren Quads, Eissegler und hunderte Schlittschuhläufer. Auf dem Eis gibt es Grillstände, Feuerstellen zum Aufwärmen und Hüttengaudi. Wozu da noch in die Alpen fahren. Es ist einer von den Wintern, die die fest in uns verwurzelte Vorstellung eines „richtigen Winters“ prägen, und in denen man sich zum Ende hin ganz besonders auf den kommenden Frühling freut.
Den Stadtforst durchziehen Loipen, auf denen sich am Wochenende die Langläufer tummeln. Von den immerhin 68 Meter hohen Püttbergen stürzen sich mutige Rodler und Abfahrtsläufer den Todeshang hinunter, der übrigens wegen des an seinem Fuße liegenden Friedhofes so heißt. Über den zugefrorenen Müggelsee fahren Quads, Eissegler und hunderte Schlittschuhläufer. Auf dem Eis gibt es Grillstände, Feuerstellen zum Aufwärmen und Hüttengaudi. Wozu da noch in die Alpen fahren. Es ist einer von den Wintern, die die fest in uns verwurzelte Vorstellung eines „richtigen Winters“ prägen, und in denen man sich zum Ende hin ganz besonders auf den kommenden Frühling freut.
Winterzauber im Flachland
Des Apfels Kern
Endlich ist es da. Alle sind verzückt, begeistert, ekstatisch. Keiner hat es bisher leibhaftig gesehen oder es gar berührt. Und alles, was man darüber weiß, hat man vom Propheten des Apfels oder seinen Jüngern erfahren. Willkommen in der schönen neuen Welt des Fallobstes. Was den bildungsfernen Schichten das TV-Casting, ist dem urbanen Nomaden die Apfelwelt des Steve. Naturgemäß geht es in solch ideologisierten Warenwelten ziemlich undemokratisch zu. Es regiert die Bevormundung. Der Meister weiß besser, als seine Kunden, was diese eigentlich mögen. Und diese lassen es sich in einem masochistischem Anfall gefallen und rufen: "Nimm mein Geld zuerst, bitte!" Meine Hoffnung ist, dass eine neue "Open Generation" heranwächst, aus der heraus eines Tages endlich ein unschuldiges Kind rufen wird: "Der Apfelkaiser hat ja gar keine Kleider an."
Endlich ist es da. Alle sind verzückt, begeistert, ekstatisch. Keiner hat es bisher leibhaftig gesehen oder es gar berührt. Und alles, was man darüber weiß, hat man vom Propheten des Apfels oder seinen Jüngern erfahren. Willkommen in der schönen neuen Welt des Fallobstes. Was den bildungsfernen Schichten das TV-Casting, ist dem urbanen Nomaden die Apfelwelt des Steve. Naturgemäß geht es in solch ideologisierten Warenwelten ziemlich undemokratisch zu. Es regiert die Bevormundung. Der Meister weiß besser, als seine Kunden, was diese eigentlich mögen. Und diese lassen es sich in einem masochistischem Anfall gefallen und rufen: "Nimm mein Geld zuerst, bitte!" Meine Hoffnung ist, dass eine neue "Open Generation" heranwächst, aus der heraus eines Tages endlich ein unschuldiges Kind rufen wird: "Der Apfelkaiser hat ja gar keine Kleider an."
Des Apfels Kern
Störungen im Betriebsablauf
Reisende stehen frierend auf Bahnsteigen, ohne zu wissen, wann ihr verspäteter Zug kommen wird. Warum er sich überhaupt verspätet, erfährt man gar nicht oder Tage später aus den Medien. Bahnmitarbeiter können keine präzise Auskunft zum aktuellen Geschehen geben oder widersprechen sich gegenseitig. Elektronische Anzeigetafeln und gedruckte Aushänge verwirren mehr, als sie helfen. Die Liste ließe sich fortführen. Es gibt aber auch den gegenteiligen Fall: Neulich zwängte sich durch den hoffnungslos überfüllten ICE ein Bahnmitarbeiter mit einem Lächeln und einem Karton voller Snacks aus der 1. Klasse, die er mit einer Mischung aus Galgenhumor, Selbstironie und sachlicher Information unter den Reisenden verteilte. Und es funktionierte: Menschen, die drei oder vier Stunden Körper an Körper im Zug stehen mussten und dafür etwa 100 Euro bezahlt hatten, waren danach in einer Weise entspannt, dass ich (als bequem sitzender Beobachter ;-) aus dem Staunen kaum herauskam. Was hatte der Mann eigentlich getan? Er war präsent. Er hat gelächelt. Er hat zugehört. Er hat mitgelitten. Er hat Geschenke verteilt ;-)
Reisende stehen frierend auf Bahnsteigen, ohne zu wissen, wann ihr verspäteter Zug kommen wird. Warum er sich überhaupt verspätet, erfährt man gar nicht oder Tage später aus den Medien. Bahnmitarbeiter können keine präzise Auskunft zum aktuellen Geschehen geben oder widersprechen sich gegenseitig. Elektronische Anzeigetafeln und gedruckte Aushänge verwirren mehr, als sie helfen. Die Liste ließe sich fortführen. Es gibt aber auch den gegenteiligen Fall: Neulich zwängte sich durch den hoffnungslos überfüllten ICE ein Bahnmitarbeiter mit einem Lächeln und einem Karton voller Snacks aus der 1. Klasse, die er mit einer Mischung aus Galgenhumor, Selbstironie und sachlicher Information unter den Reisenden verteilte. Und es funktionierte: Menschen, die drei oder vier Stunden Körper an Körper im Zug stehen mussten und dafür etwa 100 Euro bezahlt hatten, waren danach in einer Weise entspannt, dass ich (als bequem sitzender Beobachter ;-) aus dem Staunen kaum herauskam. Was hatte der Mann eigentlich getan? Er war präsent. Er hat gelächelt. Er hat zugehört. Er hat mitgelitten. Er hat Geschenke verteilt ;-)
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